Archiv der Kategorie: Sardinien 2010

Pech mit dem Frühstück

TOURBERICHT SARDINIEN
Sonntag, 16. Mai 2010 | 10. Tag

Es ist halb sechs und wir stehen schon kurz vor dem Bahnhof in Neu-Isenburg. Susanne ist am Telefon – reichlich verzweifelt. Wie immer wenn wir mit dem Autoreisezug zurückkommen, wollte uns meine Schwester mit frischem Kaffee und leckeren, von Mutter gebackenen Kuchen „überraschen“. Jetzt aber ist die A3 gesperrt und die nicht ausgeschilderte Umleitung führt ins Nirwana. Zudem spinnt das Navi und empfiehlt eine Route ans falsche Ende der Bahnhofstraße.

Um kurz vor sechs hält der Zug am Bahnsteig und noch immer ist von Susanne und Mama nichts zu sehen. So ein Ärger! Heute käme der Frühstückskaffee zum richtigen Zeitpunkt, müssen wir doch noch auf die Motorräder warten. Ich kann mit meiner armen Schwester nachfühlen. Da macht man sich solche Mühe und dann streikt die Technik!

Um halb sieben sind die Motorräder abgeladen und die ersten Teilnehmer machen sich auf den Heimweg. Jetzt noch mal um eine halbe Stunde Geduld bitten? Keine gute Idee, oder? Die meisten wollen nach Hause und das ist verständlich.

Nur noch Dieter, Charly und Ingrid sind da, als unsere „Caterer“ mit reichlich Ärger im Bauch kurz vor sieben im Bahnhof Neu-Isenburg eintreffen. Klar, dass wir jeder noch zwei Tassen Kaffee trinken und auch zwei Stücke Kuchen essen – und das nicht nur aus Höflichkeit, sondern weil’s schmeckt.

Beim nächsten Mal klappt´s wieder, haben die beiden doch auf der Rückfahrt einen narrensicheren Weg nach Neu-Isenburg gefunden. Uns bleiben angenehme Erinnerungen an einen kurvenreichen Urlaub auf Sardinien, den wir in den nächsten Jahren sicher wiederholen werden.

Tracks und Bilder werden wir in der nächsten Woche ins Internet einstellen können, wenn meine Koffer – und damit auch der Laptop – wieder da sind.

Schneefall in den Bergen – Rotwein im Zug

TOURBERICHT SARDINIEN
Samstag, 15. Mai 2010 | 9. Tag

Nach einem lustigen Abschlussabend trennen sich unsere Wege: Wolfgang und Ute wollen noch eine Woche in Italien bleiben. Gerhard, Margrit, Willi und Claudia fahren mit den Motorrädern in drei Tagen zurück, Stefan und Wolfgang hingegen wollen bereits am Sonntagabend wieder zu Hause sein – eigentlich auch Andreas. Aber der reichlich abgefahrene Vorderradreifen hat ihn den Autoreisezug als Option in Erwägung ziehen lassen; kurzfristig konnten wir noch einen Stellplatz reservieren. (Böse Zungen behaupten, die Wettervorhersage mit Schneefall am Brenner und Dauerregen bis München habe zum Sinneswandel beigetragen).

Wir machen uns auf den Weg nach „Alessandria“, zum Verladebahnhof – die einen mehr oder weniger direkt, die anderen, in dem sich noch einen Abstecher durch die Berge unternehmen. Alle aber halten unterwegs irgendwo noch an einem Supermercato. Schließlich muss für die Rückfahrt im Zug noch Verpflegung eingekauft werden. Und da man nicht weiß, ob die „Mitbewohner“ im Abteil, die vielleicht in einer anderen Gruppe fahren, das auch tun, kauft jeder lieber ein bisschen mehr. Und so biegen sich am Abend – wie jedes mal bei der Rückfahrt mit dem Autoreisezug – wieder die Tische unter das Last eins üppigen Abendbrots: Wein, Käse, Wurst, Schinken, Brot, Erdbeeren, Weintrauben, Oliven – es ist alles da, nur den Grappa haben wir wieder einmal vergessen.

Und während wir so gemütlich zusammensitzen und die Landschaft am Abteilfenster vorbeiziehen lassen, denken wir kurz an Stefan und Wolfgang, die mit leichten Schneefall am Brenner und Dauerregen bis hinter München zu kämpfen hatten. Unterdessen zieht Jürgen noch eine Flasche von dem guten Roten auf und Thorald schneidet die Hartwurst in kleine Stücke. Das Leben kann so schön sein …

Ungeahnte Wolkenbrüche

TOURBERICHT SARDINIEN
Freitag, 14. Mai 2010 | 8. Tag

Das Festland hat uns wieder. Es ist kurz nach acht, als wir in „Livorno“ von der Fähre fahren. Treffpunkt für alle ist der erste Kreisel im Hafen, da wir auf unterschiedlichen Decks stehen und nicht alle über die gleiche Ladeklappe das Schiff verlassen. Der Himmel ist trüb und wolkenverhangen – auf Sardinien war das Wetter deutlich besser.

Ich will noch schnell die Karten vom „Chinque Terre“ holen, die ich in Fonni in eine meiner Taschen gesteckt hatte. Diese sollten eigentlich im Begleitbus sein – sind sie aber nicht. „Unser Lademeister“ hat mein Gepäck – aufgrund eines Mißverständnisses – in Fonni im Hotel stehen lassen. Nun war guter Rat teuer.

Ein Anruf im Hotel stellt zumindest klar: die Koffer sind noch da (und damit hoffentlich auch alle Wertgegenstände, die darin verstaut waren). Für die nächsten beiden Tage habe ich Wäsche in einer Tasche am Motorrad, so dass auch das kein Problem ist. Fahren werde ich erstmal nur nach Navi, der Rest wird sich finden.

Es beginnt zu regnen. Zunächst ganz leicht, dann immer stärker. Immer wieder ergießen sich wahre Wolkenbrüche über uns. Für einen Espresso und ein Schokohörnchen hatte die Zeit auf dem Schiff noch gereicht; jetzt wäre ein richtiges Frühstück gut, denke ich mir, während das Wasser zentimeterhoch auf der Straße steht. Nahe Viareggio entdecke ich den Wegpunkt, den ich an der Strandbar gesetzt hatte, in der wir auf der Hinfahrt zum Hafen noch ein Eis gegessen hatten. Da fahren wir hin und warten erst mal, bis sich der Regen gelegt hat.

Drei Cappucinos und zwei süße Stückchen später wollen wir es wagen. Es klart auf. Wir beschließen, erst einmal direkt ins Hotel zu fahren und am Nachmittag vielleicht noch eine kleine Runde zu drehen, sollte die Sonne doch noch mal scheinen. Irgendwie muss der Tag ja ein Ziel haben, oder?

90 Kilometer Wegstrecke zeigt das Navi an. Dann hätten wir aber Autobahn fahren müssen. Ein Ticket mit nassen Handschuhen ziehen, dies irgendwo trocken verstauen, sich von den Gischtfontänen der Laster nassspritzen zu lassen, wieder an der Mautstation stehen – keine gute Idee, denke ich mir, und bleibe auf der „via romana“, die als SS1 bezeichnet wird.

Der Regen wird wieder heftiger, von der Straße ist manchmal kaum noch was zu erkennen und als wir uns durch „La Spezia“ kämpfen, könnte man den Eindruck haben, über uns werden permanent riesige Wassereimer ausgeleert. Gut, wer jetzt eine gute Regenkombi anhat, zeigt bei vielen Teilnehmern nun doch auch die teure Gore-Kombi deutliche Schwächen.

In Höhe „Vernazza“ reißt der Himmel auf und die Sonne scheint. Schlagartig ist die Straße trocken. Eigentlich könnte man nun einen schönen Abstecher ins Cinque Terre unternehmen. Die kurvenreiche Küstenstraße bietet ungeahnten Fahrspaß – aber nicht, wenn das Wasser in Stiefel und Hose steht, denke ich mir. Also erst mal ins Hotel.

Nach dem Duschen hängen über allen Balkonen Hosen und Jacken zum trocknen. Ein lustiges Bild. Die ersten finden sich auf der Terrasse ein. Es wird Kaffee bestellt, der erste Martini und dann ein kühles Bier. Damit ist klar: wir werden heute nicht mehr Motorrad fahren sondern ein wenig in der Sonne relaxen. Auch die Vielfahrer in Georgs Gruppe macht einen auf Entspannung. Nur Dieter fährt die volle Tour. Er hat die heftigsten Regenschauer in einer Bar ausgesessen und den Nachmittag zu einer kurvenreichen Tour am Meer genutzt. Die strahlenden Gesichter der Teilnehmer zeigen, dass das eine gute Entscheidung war.

Zurück nach Olbia – leider

TOURBERICHT SARDINIEN
Donnerstag, 13. Mai 2010 | 7. Tag

Der fünfte Fahrtag auf der Insel und so langsam müssen wir zurück zum Fährhafen. Zum Antesten war das ausreichend, doch der Wunsch vieler Teilnehmer ist jetzt schon klar: hier wollen wir gern noch mal hin.

Vorbei an „Nuoro“, der heimlichen Hauptstadt der Insel, fahren wir Richtung Norden. Die kurvenreiche Straße gewinnt zunehmend an Höhe und windet sich durch Korkeichenwälder und riesige Steinblöcke. Die Szenerie hat etwas mystisches, so dass wir nicht umhin kommen, einen Fotostopp einzulegen.

In Lula gibt es die obligatorische Kaffeepause des vormittags, denn folgen wir dem Höhenzug des „Monte Albo“. Kurvenreich ist die schmale Straße in den Hang trassiert und bietet immer wieder herrliche Ausblicke. Bei „Punta Padiaha“ legen wir eine 180 Grad-Kehrtwende ein und fahren die Strecke „auf der Rückseite“ zurück. Kurz vor „Budduso“ besichtigen wir noch eine der vielen Nuragen, die sich auf Sardinien befinden, bevor wir zum verspäteten Mittagessen in ein nahe gelegenes „Agriturismo“ einfallen. Pasta mit frischen Steinpilzen ist der Renner und so können wir satt und zufrieden die Weiterfahrt antreten.

Bis Olbia wäre es jetzt nicht mehr weit. Aber wir wollen noch in die Messerstadt „Pattada“ und das natürlich nicht auf direktem Weg. Zwei Gebirgszüge und eine gute Stunde später erreichen wir die kleine 800 Meter hoch gelegene Stadt, die berühmt ist für ihre handgeschmiedeten Messer. Wieder stürzen wir uns mutig ins Zentrum und finden so – mehr zufällig den gezielt – eine der vielen Werkstätten.

„Ob wir mal reinschauen dürfen“, fragen wir den Besitzer, der uns wenig später stolz einige seiner selbst gefertigten Messer zeigt. „Was die denn so kosten würden“, wollen wir unverbindlich wissen – und müssen doch ein wenig schlucken, als wir die Antwort hören. Die kleinen Taschenmesser fangen bei 450 Euro an; nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

Er brauche allein 13 Stunden für die Klinge, erklärt uns der Meister, dann käme noch der Griff dazu und …. Auf die Stunde gerechnet ist der Lohn nicht allzu hoch. Aber unterm Strich müssen doch mindesten 900 Mark auf den Tisch des Hauses geblättert werden, um mal in der alten Währung zu rechnen. das ist für ein Andenken dann doch ein wenig viel, wenngleich die Messer wunderschön sind.

Gegen 18 Uhr erreichen wir den Fährhafen von „Olbia“, in dem das Schiff von Moby Lines schon liegt. Wenig später dürfen die ersten Motorräder an Bord; diesmal geht alles ganz gesittet zu. Eine halbe Stunde später ist Georg da, der mit seiner Gruppe noch einen Abstecher an die „Costa Smeralda“ unternommen hatte; gegen 20 Uhr trifft auch Dieter ein, der unterwegs noch einen platten Reifen flicken musste.

Das Beziehen der gebuchten Kabinen endet – wie schon auf der Hinfahrt – im Chaos, aber letztlich findet jeder seine Kabine, so dass wir uns schließlich doch allesamt wieder im Heck des Schiffes an der Bar treffen können. Bier und Rotwein fließen reichlich, mitgebrachte Wurst, Käse und so manches Panini machen die Runde bis alle satt und zufrieden sind. Wie eine große Familie hocken fast 30 Motorradfahrer im Kreis und lassen es sich gut gehen. Das ist das schöne an unseren Touren.

Morgen geht´s noch einmal durchs Chinque Terre und dann am Samstag wieder auf den Zug gen Heimat.

Ins Gennargentu-Massiv

TOURBERICHT SARDINIEN
Mittwoch, 12. Mai 2010 | 6. Tag

Konnten wir bis jetzt Sardinien im strahlenden Sonnenschein genießen, kündigen sich für heute leichte Regenschauer an. Wir wollen ins „Gennargentu-Gebirge“, das im Süden von „Fonni“ liegt und von zahlreichen, kleinen kurvenreichen Straßen durchzogen wird.

Glücklicherweise erreicht uns das Schlechtwettergebiet erst zur Mittagszeit und zieht auch dann schnell wieder raus aufs offene Meer, so dass wir unsere Tour wie geplant fahren können und das Hotel im Trockenen erreichen.

Die schönsten und interessantesten Ecken der Insel haben wir bereits unter die Räder genommen, morgen werden wir so langsam die Rückreise antreten. Ein Fahrtag bleibt uns noch auf Sardinien, den wir bis zum Abend auskosten wollen.

Die Ostküste entdecken

TOURBERICHT SARDINIEN
Dienstag, 11. Mai 2010 | 5. Tag

Ein herrlicher Sonnenaufgang begrüßt uns an diesem Morgen. Nach einem schönen Frühstück mit leckerem Schinken und verschiedenen Käsesorten machen wir uns auf den Weg nach „Orgosolo“. Viele der Häuser in der kleinen Stadt unterhalb des „Sopramonte“ sind mit Grafitis versehen. Was einst eine Aktion der örtlichen Schule war, wurde schnell zum Kunstwerk oder Ausdruck des politischen Protests. Sehenswert sind viele der Bilder allemal.

In „Orosei“ legen wir eine kleine Kaffeepause ein, die so mancher zum zweiten Frühstück nutzt. Dann geht es nach „Cala Gonone“; den Ferienort erreichen wir auf der alten Trasse, die sich spektakulär aus den Bergen ans Meer stürzt. Dann folgen wir der kurvenreichen Straße 125, die dem Verlauf der Ostküste folgt und über einen der höchsten Pässe der Insel führt: auf 1017 Meter steigt die Straße bei „Genna Silana“ an.

Die Landschaft ist atemberaubend und man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Gleichwohl ist Vorsicht geboten: Immer wieder liegen Kühe auf der Straße oder Wildschweinrotten kreuzen den Weg.

Nach einem weiteren Fotostopp bei „Punta Pedra Longa“ hoffen wir in „Santa Maria Navarese“ eine Möglichkeit zum Mittagessen zu finden. Die Straße führt geradewegs an den Strand und dort zu einem idyllisch gelegenen Imbiss mit Blick aufs Meer. „Es gäbe nur Toast“, entschuldigt sich die deutsch sprechende Besitzerin, aber mehr als eine Kleinigkeit und einen Platz im Schatten wollen wir auch nicht.

Nach einer ausgedehnten Rast treten wir auf schmalen Nebenstraßen den Weg zurück ins Hotel an. Auf Sardinien fasziniert die Vielfalt der Landschaft. Eben noch fahren wir an roten Felsformationen und Kakteen vorbei, die einen an den Wilden Westen erinnern, glaubt man sich wenig später schon in den französischen Alpen und ein paar Kilometer drauf in Irland oder Norwegen. Faszinierend!

Kurz nach 18 Uhr sind wir wieder im Hotel; Zeit für ein oder zwei Feierabendbiere auf der Terrasse, bevor es unter die Dusche und dann zum Essen geht. Sardinien gefällt uns immer besser.

So viele Kurven – das gibt es doch gar nicht

TOURBERICHT SARDINIEN
Montag, 10. Mai 2010 | 4. Tag

Bettenwechsel: Von Luogosanto geht es heute nach Fonni, der mit gut 1000 Metern höchst gelegenen Stadt auf Sardinien. Etwa 170 Kilometer auf direktem Weg – wir werden das Doppelte daraus machen.

Zunächst gilt es den 1359 Meter hohen „Monte Limbara“ zu erklimmen. Nicht nur von der Madonna aus, unterhalb des Gipfels, bieten sich dabei herrliche Ausblicke. Vorbei am „Lago del Coghinas“ erreichen wir zur Mittagszeit „Thiesi“. Nachdem wir drei Runden durch die enge Altstadt gedreht haben, finden wir eine kleine Bar mit Terrasse, in der es etwas zu essen gibt.

Kurvenreich geht es weiter nach „Alghero“. Für unsere beiden Chopper-Fahrer legen wir hier schnell noch einen Tankstopp ein. Der Versuch, sich mit einem Espresso in Hafennähe zu stärken, scheitern an der strengen Stadtpolizei, die Anstoß an unseren auf dem Gehweg abgestellten Motorrädern nimmt. Selbst Radfahrer werden hier vertrieben, berichten uns vorbei kommende Mountainbiker – also verlassen wir die Stadt ohne Kaffeepause.

Den Puls auf Trab bringt wenig später die gut 50 Kilometer lange Küstenstraße nach „Bosa“. Auch hier reiht sich eine Kurve an die nächste, verläuft die Straße mal auf Meereshöhe und dann wieder leicht ansteigend im Hinterland. Keine Ortschaft „stört“ den Fahrfluss; wer seinen Rhythmus findet schwingt sich hier gut eine dreiviertel Stunde durch Kurven und Kehren – herrlich.

Im Hafen von „Bosa Maritima“ gönnen wir uns einen Kaffee und ein leckeres Eis, bevor wir die letzten 90 kurvenreichen Kilometer dieses Tages in Angriff nehmen. Es ist kurz nach sieben, als wir unser Hotel erreichen – mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Kaum ein Stück gerade Straße haben wir heute unter die Räder genommen; und das wird in den nächsten Tagen auch so bleiben.