Archiv der Kategorie: Masuren & Kaliningrad 2009

Mal wieder nach Masuren fahren?

Zweimal schon war die „Wolfsschanze“ Ziel einer unserer Motorradtouren. Im ehemaligen Ostpreußen gelegen, geben die gesprengte Bunkeranlagen des so genannten Führerhauptquartiers ein merkwürdig Bild von der damaligen Nazi-Diktatur wieder. Wenn man so durch die Ruinen krabbelt, die mittlerweile von Sträuchern und Bäumen umgeben sind, kann sich gar nicht vorstellen, wer hier über viele Monate gelebt hat.

Jetzt sucht der polnische Staat, als Eigentümer des im Wald von Ketrzyn gelegenen Grundstücks, einen neuen Pächter. Der soll vor allem für eine bessere Infrastruktur sorgen. Bislang war das Betreten der zerfallenen Bunkeranlagen zwar verboten – aber möglich. Ob das für die Zukunft so bleibt?

Quelle: Spiegel online

Alles wird westlicher

Drei Jahre ist es her, dass wir zu unserer Motorradtour nach Kaliningrad und Litauen aufgebrochen sind. Ein wenig abenteuerlich war sie schon, die Fahrt ins Ungewisse. Aber so interessant, dass immer noch eine Fortsetzung geplant ist.

Jetzt war eine unserer Teilnehmerinnen (mal wieder) in Litauen und hat auch Irina in Jurbarkas einen Besuch abgestattet. Die gebürtige Russin hatte sich in der Zeit unseres Litauen-Aufenthalts in ihrer kleinen Gaststätte um unser leibliches Wohl gekümmert. Das gebuchte Hotel bot leider (oder glücklicherweise, wie wir im Nachhinein feststellen konnten) keine Möglichkeit der Verpflegung. Und so waren wir zwei Tage lang liebevoll von Irina umsorgt worden – mit riesigen Mengen Rührei am Morgen und deftigem Essen am Abend. Das war richtig klasse!

Zum Abschied gab´s von uns einen kleinen Blumenstrauß als Dankeschön und von Irina zwei Packungen süße Kekse, die wir auf dem Nachtreffen verspeist haben.

Heute hat sich Irinas kleine Gaststätte zu einem edlen Restaurant gemausert, mit schmucken Tischdecken und in Stoff gehüllten Stühlen. Der Aufschwung scheint spürbar.

Und auch an der ehemaligen Grenze, an der früher Polen, Litauen und das einstige Deutsche Reich zusammenstießen, gibt es Veränderungen. Konnten wir vor drei Jahren noch einfach so zur heute russischen Grenze am „Oblast Kaliningrad“ laufen, verlangt der örtliche Landwirt jetzt zwei polnische Sloty fürs Betreten seines Grundstücks. Dafür wurde aber auch ein zwei Meter hoher Granitgrenzstein auf den Grenzpunkt gebaut.

„Alles wird westlicher“, so der Eindruck der gerade aus Litauen und Polen kommenden Reisenden. Ob´s dadurch auch besser wird? Wir werden wohl bald in die Baltischen Staaten reisen „müssen“, bevor alles Ursprüngliche Vergangheit ist. Aber das scheint der Preis des Fortschritts. Und wer wollte es den Bewohnern verdenken, daran teilhaben zu wollen.

Ja, wo fuhren sie denn?

Neun Tage waren wir in Masuren, Kaliningrad und Litauen unterwegs und so langsam fragen sich einige Teilnehmer: Wo sind wir denn überhaupt lang gefahren?

Dies nachzuvollziehen ist dank GPS kein Problem mehr. Garmin-Navis sind erfreulicherweise mit einem so genannten Track-Picker ausgestattet, der die gefahrene Route in Form von kleinen Wegpunkten abspeichert. Die lassen sich auf den PC auslesen und in der Garmin-eigenen Software „Mapsource“ oder etwa google-maps darstellen. So lässt sich jederzeit nachvollziehen, wann man wo war und welche Straßen gefahren wurden.

Das Programm „GPSies“ bietet die Möglichkeit, diese Infos allen interessierten Teilnehmern (und Motorradfahrern) mit nur einem Mausklick zugänglich zu machen. Unter http://www.gpsies.com/mapUser.do?username=kurvenfieber kannst Du sehen, wo Dieter, Georg und Uwe mit ihren Gruppen an welchen Tagen unterwegs war.

Die Tracks sind tageweise nach Tourguide geordnet; zudem gibt es für jeden Tourguide eine Gesamtübersicht, in der die komplette Route während der Reise festgehalten ist.

Wir wünschen Dir viel Spaß und stellen fest, dass unsere Reise durch Masuren, Kaliningrad und Litauen schon etwas ganz besonderes war.

Grenzerfahrungen

Im Laufe unserer zahlreichen Motorradtouren haben wir schon viele Landesgrenzen überquert, die nach Russland jetzt das erste Mal. Niemand wusste, was uns dabei erwarten würde. Im Internet war meist Beängstigendes zu lesen. Etwa von bewaffneten Kontrollposten, die einen Passierschein verlangen würden, wenn man im 7 Kilometer-Streifen rund um die Landesgrenze des Oblast Kaliningrad die Hauptroute verlassen würde. Schmuggel und illegaler Grenzübertritt sollten so verhindert werden.

Wir haben ganz andere Erfahrungen gemacht!

Bei Braniewo, dem ehemaligen Braunsberg, sind wir auf die B 54 abgebogen, die uns in wenigen Kilometern direkt zur polnisch-russischen Grenze führte. Die polnischen Zöllner konnten gar nicht verstehen, warum wir, um nach Litauen zu gelangen, durch die russische Enklave fahren wollten. Da gebe es doch schöne Straßen – ohne Grenzkontrollen – außen rum.

Am ersten russischen Posten mussten wir eine Meldekarte ausfüllen. Das war schnell erledigt. Dann durften wir in Vierer-Gruppen zur eigentlichen Zollkontrolle vorfahren. Die zur Einreise nötigen Formulare hatten wir uns zuvor beim ADAC besorgt – leider waren sie veraltet. Ein freundlicher russischer Zöllner, der ein wenig deutsch sprach, gab uns neue Papiere und half geduldig beim ausfüllen. Nicht immer landeten die geforderten Angaben in der richtigen Zeile; dann gab´s ein neues Formular, denn durchstreichen oder korrigieren durfte man nichts.

Das alles geschah in einer freundlich-ruhigen Atmosphäre. So mancher Grenzübertritt nach Italien oder Frankreich war, als es noch kein vereintes Europa gab, seinerzeit wesentlich zeitraubender, anstrengender und vor allem weniger kooperativ.

Wenn alle Papiere richtig ausgefüllt waren – natürlich in doppelter Ausfertigung – , ging man an einen Schalter; hier saß eine nette Russin, die ebenfalls ein wenig deutsch sprach. Die tippte alle Angaben seelenruhig in ihren Computer. Den von uns mühsam ausgefüllten Zollformularen schenkte sie dabei kaum Beachtung und entnahm alles Wissenswerte lieber dem Reisepass oder den beigefügten Fahrzeugpapieren. Eines der Zollformular wurde an die amtlichen Dokumente geheftet, das andere weggeschmissen. Merkwürdig, aber wahrscheinlich Vorschrift.

War alles in Ordnung, bekam man ein Dokument, in dem auf russisch geschrieben stand, dass man mit dem Motorrad unterwegs sei und wie lange man sich im Oblast Kaliningrad aufhalten dürfe. Dann folgte noch die Frage nach dem Versicherungsschutz für´s Motorrad, den so mancher leider verneinen musste.

Alle Teilnehmer, die bei der HUK versichert waren, hatten keine grüne Versicherungskarte für den Geltungsbereich Russland. Die HUK weigert sich – offensichtlich als einzige Versicherung – eine entsprechende Versicherungszusage zu geben, obwohl Russland seit dem 1. Januar 2009 dem „Grüne-Versicherungskarten-Abkommen“ beigetreten ist. Also musste, nachdem alle Zollformalitäten erledigt waren, ein nahegelegenes Versicherungsbüro angefahren werden. Ein unnötiger, zeitraubender Stopp, der für die Betroffenen mit zusätzlichen Kosten verbunden war.

Das war es dann aber auch schon. Als Einzelreisender wäre man in gut einer halben Stunde im Oblast Kaliningrad gewesen. Wir waren angenehm überrascht. Kein Koffer musste geöffnet werden, keine Personenkontrollen – „alles ganz geschmeidig“, wie Michael zu sagen pflegte.

Die Ausreise über die Kurische Nehrung verlief noch einfacher und schneller; ob man bei der Einreise über Litauen an jener Grenze allerdings eine KFZ-Versicherung abschließen kann, blieb uns verborgen. Dieser Grenzübergang scheint wenig frequentiert, so dass HUK-Versicherte hier vielleicht ein Problem bekommen könnten.

Das werden wir möglicherweise in zwei Jahren ausprobieren können. Dann wollen wir wieder nach Kaliningrad. Eventuell fahren wir dann von Rostock aus mit der Fähre nach Kleipeda, von dort auf die Kurische Nehrung und weiter in den Oblast Kaliningrad: Abenteuer, zweiter Teil.

Noch einmal nach Kaliningrad?

TOURBERICHT KALININGRAD – LITAUEN – MASUREN
Samstag, 15. August 2009 | 10. Tag

Kaum zu glauben, dass wir vor wenigen Tagen noch in Kaliningrad und an der Memel waren. Jetzt sitzen wir wieder im Garten des Hotel Weiss in Angermünde und denken ein wenig wehmütig an die abwechslungsreichen Tage in Russland und Litauen zurück.

Von Bromberg aus ging’s heute zurück nach Deutschland. Immer auf der B 10. Fast 300 Kilometer lang. Unterwegs ein nettes Kaffeepäuschen und zum Mittag ein letztes Mal Bigos – dann waren wir wieder in Deutschland. Auf kleinen Kopfsteinpflasterstraßen rumpelten wir durch die Uckermark und hatten am späten Nachmittag unser Hotel erreicht. Von hier aus waren wir am Donnerstag vergangener Woche zu unserer Reise gen Osten gestartet. Und morgen, am Sonntag, geht´s von hier aus (schon wieder) zurück nach Hause.

Ein erstes Fazit? Wir waren sicher nicht zum letzten Mal im „Oblast Kaliningrad“. Beim nächsten Mal aber werden wir mindestens drei Tage Zeit mitbringen. Und nachdem uns Litauen durchaus auch gefallen hat, wäre eine Reise durchs gesamte Baltikum eine schöne Variante. Es gibt also noch einiges zu entdecken, in den nächsten Jahren. Wer will mit dabei sein?

So langsam gehts nach Hause

TOURBERICHT KALININGRAD – LITAUEN – MASUREN
Freitag, 14. August 2009 | 9. Tag

Es ist kurz nach 9 Uhr, als wir unser Hotel an den Masurischen Seen verlassen, besser gesagt: verlassen wollen. Wenn Wolfgangs V-Strom denn anspringen würde. Tut sie aber nicht. Erst als wir die Maschine fremdstarten, läuft der Motor wieder. Eine falsch angeschlossene Griffheizung hatte die Batterie über Nacht leergesaugt; die hatte Strom auch bei abgeschalteter Zündung gezogen.

Los geht’s. Doch allzuweit kommen wir nicht. Nach gut 50 Kilometern Stecke steht Dieter mit seiner Gruppe am Straßenrand. Die nächste Panne: an Eberharts Honda ist eine Schraube an der Ölwanne abgerissen. Das ganze Hinterrad ist eingesaut, eine lange, dünne Ölspur findet sich auf der Straße wieder. Wie das passiert ist, weiß kein Mensch, wie wir das Problem lösen, auch nicht.

Nachdem man uns auch in einer nahe gelegenen Werkstatt nicht helfen kann, kriegt Eberhart kurzerhand das Ersatzmotorrad und die defekte Honda wird in den Begleitbus verladen. Manchmal ist es doch mehr als nützlich für alle Eventualitäten gewappnet zu sein.

Gegen Mittag erreichen wir das geschichtsträchtige Schlachtfeld von Tannenberg und Grunwald. Hier wurde einst der Deutsche Orden vernichtend geschlagen, hier besiegte Jahrhunderte später die deutsche Armee die zahlenmäßig überlegenen russischen Truppen. Wieviel Blut damals wohl diesen Hügel heruntergeflossen sein muss und welche Qualen die Soldaten einst zu erleiden hatten, vermag sich heute niemand vorzustellen. Schrecklich war es allemal.

Gegen Nachmittag sind wir auf der gut ausgebauten Bundesstraße, die uns direkt nach Bromberg führt, unterwegs. Das ist fahrerisch zwar nicht sonderlich anspruchsvoll, aber wir wollen pünktlich ankommen. Etwas außerhalb der Stadt liegt unser Hotel, in dem wir die letzte Nacht in Polen verbringen werden. Morgen geht’s zurück nach Angermünde – hoffentlich ohne weitere Pannen.

Liebe auf den zweiten Blick?

TOURBERICHT KALININGRAD – LITAUEN – MASUREN
Donnerstag, 13. August 2009 | 8. Tag

Diesmal haben mich die Masurischen Seen fasziniert. Lag es vielleicht am Licht? Gelegentliche Schauer hatten die Luft reingewaschen und die dann anschließend kräftig scheinende Sonne schuf eine ganz eigentümliche Stimmung – toll!

Dabei hatte der Tag wenig vielversprechend begonnen: ein reichlich zerknirschter Charly suchte seinen Zündschlüssel und fand ihn nicht. Also musste ein Akku-Schrauber besorgt werden, um das Lenkradschloss aufzubohren; anschließend wurde die Zündung kurzgeschlossen und die BMW lief wieder. Bis zur nächsten Tankstelle – da musste dann auch noch der abschließbare Tankdeckel aufgebrochen werden. Ansonsten verlief alles reibungslos.

Gegen Mittag hatten wir das so genannte Drei-Länder-Eck erreicht. Hier waren einst Preußen, Litauen und Polen aneinander gestoßen, heute markiert die Stelle die Grenze zwischen Russland (Kaliningrad), Litauen und einem deutlich größeren Polen.

Auf verschlugenen Pfaden ging es nach dem Mittag quer durch Masuren nach Glycko, wo wir direkt am Kanal einen leckeren Kaffee nebst Pfannkuchen mit Preiselbeeren genießen konnten. Noch gut eine Stunde Fahrt und wir waren im Hotel, das malerisch an einem der vielen masurischen Seen lag.

Morgen geht’s schon langsam wieder Richtung Heimat, ins ehemalige Braunsberg, mit einem kleinen Schlenker über das geschichtsträchtige Tannenberg. Gut 350 Kilometer werden zu fahren sein.