Archiv der Kategorie: Endurowandern 2015

45 – 90 – 45

Nein, das sind keine Idealmaße. 45 – 90 – 45 sähe auch irgendwie merkwürdig aus, oder? 45 – 90 – 45, dass ist der „Express-Zuschlag“, den einige unserer Teilnehmer zahlen dürfen. Auf dem Weg vom Galibier nach Bardonecchia war der Eine oder Andere wohl etwas schneller als die erlaubten 90 km/h unterwegs. Und so flatterte dieser Tage eine Zahlungsaufforderung ins Haus.

45 Euro bei einer Überschreitung um 10 Prozent, wer noch etwas schneller war, der sollte 90 Euro zahlen. Entsprechend einer europäischen Übereinkunft werden Bußgelder für Verkehrsverstöße im Ausland nun auch bei uns eingetrieben.

Zahlbar sofort, wer zögert, für den wird’s teurer. Am Ende können mehr als 200 Euro zusammenkommen. Also gleich überweisen. Oder lieber doch erst mal einen juristischen Rat einholen?

Der ADAC-Vertragsanwalt meinte, die Zahlungsaufforderung sei wohl berechtigt. Allerdings kenne er keinen Fall, in dem die Summe tatsächlich eingetrieben worden sei, wenn nicht überwiesen worden wäre. Das müsse aber nichts heißen. Und bei der nächsten Verkehrskontrolle in Frankreich würde es dann richtig teuer. Alle Angaben, wie immer, ohne Gewähr.

Die meisten haben zwischenzeitlich überwiesen. Scheint auch vernünftig. Auch wenn sich von den Betroffenen niemand so genau erinnern kann, die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht eingehalten zu haben 😉

Da war Klaus vor Jahren ehrlicher. Auf dem Weg von der Franche-Comté nach Hause war er mit 90 geblitzt worden, wo nur 70 erlaubt waren – allerdings nur von vorne. Darauf angesprochen hatte er eine überzeugende Begründung parat: „Ich musste doch pünktlich zum Geburtstagskaffee bei meiner Schwester sein, da hatte ich für 70 keine Zeit“. So kann man das auch sehen …

DSC00051

Kurz vor Gipfel des Galibier. Und als wir wieder im Tal waren, setzte ein „Blitz-Gewitter“ ein. Regeln – auch die im Straßenverkehr – sollten schließlich eingehalten werden 😉

Ein erster Rückblick

Es geht nach Hause. Sieben Tage lang waren wir in den Alpen unterwegs, vorwiegend im französisch-italienischen Grenzgebiet. Mit den Enduros haben wir alle unbefestigten Strecken fahren können, die wir uns vorgenommen hatten – unter anderem die Assietta, die Ligurische und die Maira, die uns ganz besonders beeindruckt hat.

Zum Schluss ging’s noch einmal auf unbefestigten Wegen zum Lac du Mont Cenis. Da waren wir vor Jahren schon mal grandios gescheitert, weil wir den falschen Einstieg gewählt hatten und unsere Enduros nur mit Glück und Mühe wieder zurück auf die eigentliche Piste brachten.

Auch bei unserer aktuellen Tour gab’s Momente mit ordentlich Herzklopfen. Etwa bei der vermeintlichen Abkürzung am Tende-Pass, die uns durch grobes Geröll führte oder die letzten Kilometer auf der Ligurischen, vor dem Abzweig nach La Brique, auf denen es sehr windig und rutschig war.

Ein bisschen Herzrasen aber gehört zu jeder Endurotour. Zum Glück ist nichts passiert. Kein platter Reifen, kein Sturz, kein abgebrochener Kupplungs- oder Bremshebel. Und doch gab’s es unvermeidlichen Verluste: ein gerissener Spritzschutz vorm Stoßdämpfer, ein gebrochener Gepäckträger, zwei losvibrierte Klemmböcke am Lenker und kleiner Riss in der Ölwänne – glücklicherweise am letzten Tag auf dem letzten Schotterpass.

Es hat Spaß gemacht – und die vielen Eindrücke, die wir hoch oben in den Bergen genießen durften, werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Bis zur nächsten Endurowanderung?

Gruppenbild auf der Ligurischen. Nachdem sich der Nebel aufgellöst hatte, war die Aussicht fantastisch.

Mittagsrast an historische Stätte

Noch einmal wollen wir Motorrad fahren, dann geht auch diese Tour zu Ende. Es geht zurück zum Ausgangshotel in Frankreich, mit einem herausfordernden Abstecher für die Endurofahrer am Lac du Mont Cenis.

Doch erst einmal müsste die KTM wieder anspringen. Nach dem morgendlichen Tankstopp in Bardonecchia dreht zwar der Anlasser durch, der Motor aber springt nicht an. Erst als wir eine Autobatterie zu Hilfe nehmen, brummt der Einzylinder wieder.

Wir fahren Richtung Susa und über ein herrlich schmales und kurvenreiches Nebensträsschen Richtung Lac Cenis. Schon bald zweigt links der Straße der unbefestigte Weg ab, der links um den See führt. Bis zur ersten Hochfläche ist alles ganz einfach. Dann beginnt das Abenteuer.

Wir fahren quasi auf der alten „Straße“. Die wurde so gebaut, dass die Steine nicht waagerecht auf sondern senkrecht in den Boden eingebracht wurden. Und so werden Fahrwerk und Fahrer noch einmal ordentlich gefordert. Meter um Meter plagen wir uns zum Lac de Mont Cenis hinauf.

An einer kleinen Senke halten wir inne. Große Felsbrocken liegen wild durcheinander. Irgendwie muss es da ein Durchkommen geben. Die KTMs stehen schon auf der anderen Seite, nach und nach folgen die 650er Suzi, die beiden großen BMWs, die Supertenerée und die kleine Yamaha. Geschafft.

In weiten Bögen gewinnt die anspruchsvolle Trasse weiter an Höhe und führt an zwei Festungen vorbei – die aber nicht angefahren werden dürfen. Als wir schließlich den Stausee erreichen, ist der Rest nur noch „Kindergarten“. Bald darauf haben wir wieder Asphalt unter den Rädern und machen kurz Pause.

Zum Glück, denn die Yamaha verliert Öl. Bei der Fahrt durch das Geröllfeld hatte der Motorschutz kurz aufgesetzt und hatte dabei wohl eine Steg touchiert, der an der Ölwanne etwa hervorsteht. Ein kleiner Riss war die Folge – und aus dem tropft es nun.

An eine Weiterfahrt zum Hotel ist nicht zu denken, ein Abschleppef muss her, aber natürlich gibt es hier oben in den Bergen keinen Netzempfang. Also fahren wir ganz langsam bis zur Passhöhe, in der Hoffnung, dort wieder telefonieren zu können.

Schnell ist der ADAC informiert, der einen Pannenwagen schickt, um die Yamaha zum Hotel zu fahren. Dort stehen Auto und Anhänger, die Heimfahrt ist also gesichert. Unterdessen sucht Klaus sein Nummerschild, dass bei der letzten wilden Enduropassage wohl einfach abgerissen ist.

Wir nutzen die Zeit für eine kleine Kaffeepause auf der Passhöhe und erhalten eine kostenlose Geschichtsstunde von der Restaurantbesitzerin. Die erzählt uns unter anderem, dass schon Haniball mit seinen Elefanten über diesen Pass gezogen sei, ebenso wie Napoleon. Die Hochzeit königlicher Geschechter sei hier vollzogen worden – und überhaupt sei es doch sehr schade, dass alle heute einfach nur noch über den Cenis fahren und die wenigsten um dessen spannende Geschichte wüssten.

Und während Madame lebhaft erzählt und uns alte Bücher zeigt, fällt ihr Blick auf die zwei Stangen Baguette, die am Gepäckträger einer unserer KTMs klemmen. „Ob wir Picknick machen wollten“ werden wir gefragt – und als wir die Frage bejahen, bedeutet und Madame, das sie nicht dagegen hätte, wenn wir auf ihrer Terrasse essen würden. Danke!

Nach einer ausgiebigen Rast – und nachdem auch das abvibrierte Nummernschild wiedergefunden wurde, erklimmen wir den mehr als 2700 Metef hohen Col de Iseran – eine fantastische Fahrt bei strahlend blauem Himmel und so gut wie keinem Verkehr.

Bei der Zufahrt zum Lac de Roselend geraten wir in einen kräftigen Regenschauer; den ersten seit einer Woche. Noch gut 80 Kilometer sind es noch bis zum Hotel, die wir in einem Stück durchfahren. Kurz vor halb sieben sind wir am Ziel und fahren just in dem Moment auf den Hotelparkplatz, als die lädiere Yamaha vom Abschlepper geladen wird.

Alle sind wohlbehalten angekommen. Jetzt wird verladen und morgen geht’s für die meisten schon wieder nach Hause. Eine schöne und erlebnisreiche Woche geht zu Ende, die auch für die „Straßernfahrer“ mit vielen tollen Eindrücken und herrlichen Passfahrten verbunden war. Bis zum nächsten Mal!

Picknick am Lac du Mont Cenis – Madame sei Dank.

Ein kurzer Schreck am frühen Morgen

Die Sonne lacht vom strahlend blauen Himmel, als wir am frühen Freitagmorgen die Rückreise nach Bardonecchia antreten. Mit dem Col d’Agnel haben wir heute einen Pass im Programm, den wir – weil recht weit abgelegen – nur äußerst selten fahren, was eigentlich sehr schade ist.

Die Gruppen von Stefan und Georg sind bereits aufgebrochen, die Endurofahrer stehen an der nächsten Tanke, da tritt – in dem Augenblick, in dem auch ich starten will – ein finster drein blickender Mann auf Franz-Josef zu (der den Begleitbus fährt) und hält ihm fragend einen Ausweis unter die Nase.

Die personifizierte „Guardia di Finanza“ will von uns den Überweisungsbeleg für die beiden Übernachtungen in Cuneo sehen. Gemeinsam gehen wir an die Rezeption, um das „Problem“ zu lösen. Während Gabriella die geforderten Unterlagen heraus sucht, entnehmen wir dem aufgeregten Stimmengewirr Wortfetzen wie „25 Zimmer“, „zwei Nächte“, „Geld wurde überwiesen“, „Getränke hat jeder selber bezahlt“.

Die Finanzpolizei ist es zufrieden und lässt uns fahren – was für ein Schreck am frühen Morgen.

Als erstes steuern wir heute das Maira-Tal an. Statt auf der breiten S 21 gen Norwesten zu fahren, nehmen wir die parallel verlaufende SP XX und erreichen schon bald Höhen von deutlich mehr als 2000 Metern. Wie ein Lindwurm schlängelt sich die schmale Asphalttrasse hoch zum 2447 Meter hohen Vallonetto-Pass; kurz darauf erreichen wir den Einstieg in die „Maira-Stura“.

Die unbefestigte Trasse windet sich durch eine unglaublich beeindruckende Landschaft. Müssten wir nicht abends wieder in Bardonecchia sein, wir hätten alle paar Meter zum Fotographieren anhalten können. Diese Strecke – ist bei einem Prachtwetter wie heute – ein Traum für jeden Endurofahrer.

In Preit gönnen wir uns eine kleine Mittagspause und stärken uns mit einer ordentlichen Portion Spaghetti. Anschließend geht es auf rumpeliger Strecke hoch zum Sampeyre-Pass. Hier, in 2284 Metern Höhe finden wir den Einstieg in das letzte Stück Schotter des Tages: die Varaita. Gut 25 Kilometer rumpeln wir das „Kammsträsschen“ entlang, bis wir wieder Asphalt unter den Rädern haben.

Gut 150 Kilometer Wegstrecke und drei Pässe liegen noch vor uns: der Agnel, die Izoard und der Echelle. Punkt sieben biegen wir auf den Hotelparkplatz ab, um acht gibt’s Essen.

Und während wir uns an unserer Lasagne laben, betreten plötzlich zwei Polizeibeamte – in vollem Ornat – den Gastraum und mustern uns kritisch. Fast jedem fallen da alle Süden des heutigen Tages ein. Doch die Jungs wollen nichts von uns. Sie hatten nur Hunger und eine Pizza bestellt …

Morgen wartet die letzte Tagesetappen auf uns. Vor beim am Lac Cenis und über den Iseran geht es zurück zum Ausgangshotel.

Faszinierende Eindrücke von der Maira-Stura.

Dienstags geschlossen

Die Ligurische Grenzkammstraße, kurz LGK, ist heute das Ziel der „Enduristi“, während es auf dem Asphalt zum Col de Turini geht. Kurz nach 9 Uhr geht es los. Über das große Viadukt fahren wir nach Cuneo und dann weiter Richtung Borgo San Dalmezzo.

Der Einstieg in die Ligurische, kurz vorm dem Tenda-Tunnel, ist schnell gefunden. Kehrenreich gewinnen wir, noch auf Asphalt fahrend, schnell an Höhe. Kurz vor dem Tenda-Pass beginnt der Schotter. Wir halten kurz, um die Kameras einzuschalten, und stellen fest, dass die Zufahrt zur LGK jetzt über den schmalen Weg linker Hand erfolgt. Eine große Tafel weist auf die Maut hin, die jetzt zu zahlen ist, darauf, dass die Zufahrt nur bis 16 Uhr erfolgen kann und dass die Ligurische Dienstags geschlossen ist, also nicht befahren werden darf. So viele Regeln – und dass in Italien.

Noch ist der Himmel strahlend blau. Aber hier oben weht ein scharfer Wind und der treibt dichte Wolken, mit rasender Geschwindigkeit, direkt auf den Kamm zu. Keine guten Aussichten.

Wie angekündigt, stehen wir vier Kilometer später am Mauthäuschen. 10 Euro zahlen wir pro Motorrad. Dafür gibt’s einen Zettel, auf dem Datum und Kennzeichen notiert sind – und der unterwegs kontrolliert wird.

Mit jedem Meter, den wir in Höhe gewinnen, wird der Wind heftiger und die Sicht schlechter. Bald fahren wir in einer dichten Nebelsuppe umher und können den Verlauf des Weges nur erahnen. Wenn das die ganze Zeit so bleibt, werden wir deutlich mehr Zeit als geplant brauchen.

Aber wir haben Glück. Schon bald reißt der Himmel auf und wir genießen fantastische Fernblicke auf eine mehr als imposante Landschaft. Nach ein paar Kilometern halten wir an einem Refugio. Kaffee trinken oder weiterfahren? Die Mehrheit ist fürs Fahren. Und doch sollten wir noch zum Kaffeestopp kommen.

Fünf Kehren weiter geht gar nichts mehr: eine Kuhherde wird zu einem neuen Weideplatz getrieben. Und damit ja kein Motorradfahrer auf den Gedanken kommen könnte, sich an den Rindviechern vorbei zu mogeln, fährt hinten eine alter Lieferwagen, der die gesamte Fahrban blockiert. Eine Stunde würden sie brauchen, sagt einer der „Aufpasser“; also zurück zum Refugio und doch eine Kaffeepause eingelegt.

Gegen 13 Uhr stehen wir dann an einer Weggabelung, die uns eine Entscheidung abverlangt. Eigentlich wollten wir links abbiegen, um wieder ein Stück Asphalt unter die Räder zu nehmen. Die Abfahrt nach La Brique wären wir dann von Süden aus angegangen. Doch diese Schleife kostet zuviel Zeit.

Also bleiben wir auf der LGK, wohl wissend, dass nun der schwierigere Teil beginnt. Und in der Tat: tiefer Schotter, glatte Steine, ein immer wiede morastiger und damit sehr rutschiger Untergrund fordern uns schon heraus. Dazu kommt der wieder sehr böhige Wind, so das wir manchmal ernsthaft fürchten, vom Motorrad geweht zu werden.

Doch auch dieses Abenteuer bestehen wir mit Bravour und haben am späten Nachmittag erstmals wieder Asphalt unter den Rädern. In einer kleinen Bar in St-Dalmas-de-Tende beraten wir bei einem Cafe creme, wie es weitergeht. Trotz dunkler Wolken am Himmel beschließen wir, auch noch die Südrampe der LGK unter die Stollenreifen zu nehmen, wählen die Zufahrt aber über die D91.

Die Baisse de Peyrefique ist das Ziel, von da aus wollen wir hoch zum Tenda-Pass und dann wieder zurück ins Hotel. Auf halber Strecke lädt ein kleiner Abzweig dazu ein, ein paar Kilometer abzukürzen. Ein böser Fehler, wie sich bald herausstellen sollte.

Schon bald verliert sich der feste Unterbau und wir bewegen uns nur noch auf Geröll. Traktion ist Glücksache, häufig stehen die Maschinen quer und lassen sich nur mit vereinten Kräften vorwärts bewegen. Ein üble Schinderei, die viel Kraft und Kondition fordert. Über eine Stunde brauchen wir für die letzten drei Kehren und zwei Kilometer Wegstrecke. Und so sind wir auch erst kurz vor 20 Uhr im Hotel – gerade richtig zum Abendessen.

Bei aller Plackerei – es war wieder ein toller Tag. Morgen treten wir so langsam die Heimreise an.

Unterwegs auf der Ligurischen Grenzkammstraße.

A dopo- wir sehen uns

Eigentlich hatte die Wetter-App, die von vielen immer wieder gerne aufgerufen wird, für heute Morgen nur bewölkten Himmel gemeldet. Der scheint aber einige Löcher zu haben, so dass es beim Frühstück regnet. Auch als wir gegen 9 Uhr starten sind die Straßen noch reichlich nass. Die Beschwichtigungsversuche, dass es nach dem nächsten Pass schon ganz anders aussehen wird, verfangen wenig.

Doch genau so ist es. Kaum fahren wir auf den Col de l’Echelle zu, hört der Regen auf. Der Himmel bleibt bedeckt, aber die Straßen sind trocken. Wir fahren durch Briancon und halten uns dann grob Richtung Gap. Auf kleinen Nebenstraßen geht es immer gen Süden.

Bei einem kurzen Stopp entdecken wir bei einer der KTMs einen Nagel im Hinterrad – so sieht es zumindest aus. Sofort bietet jeder Unterstützung an: Montiereisen, Pannenspray, Ersatzschlauch, Kompressor – alles ist vorhanden. Wird aber nicht gebraucht, weil der „Übeltäter“ nur eine Krampe war, die sich lediglich in einen dicken Stollen gebohrt hatte. Aufatmen.

Kurz vor der Auffahrt zum Col de Parpaillon treffen wir auch eine Gruppe italienischer Enduristi. Wir begutachten gegenseitig unsere Motorräder, freuen uns, dass wir den gleichen Weg haben und verabschieden uns mit einem freundlichen „a dopo“ – bis gleich.

Die Auffahrt zum Parpaillon ist fast eine Spazierfahrt, ordentlich Schotter und ein paar enge Kehren, aber nichts, was uns ins Schwitzen bringen würde. Dann stehen wir vor dem großen Tunnelportal. Die beiden Stahltore sind weit geöffnet, dahinter ein dunkles, matschiges, mehrere hundert Meter langes Loch, durch das wir jetzt durch müssen.

Zwei Mulistrada-Fahrer aus der Schweiz, unterwegs mit ganz normaler Straßenbereifung (!) muntern uns auf und empfehlen uns, nicht in der Mitte zu fahren. Da sei es doch sehr morastig …

Nett wie wir sind, lassen wir zunächst den Italienern den Vortritt und stürzen uns dann ins Ungewisse. Natürlich ist die Fahrt durch den stockfinstren Tunnel halb so wild, dafür hat es die Abfahrt über die Südrampe in sich: viel Geröll, rutschige Steine, morastiger Untergrund und so manches „Bächlein“, das unseren Weg kreuzt oder der Abfahrt sogar für ein  paar Meter folgt.

Nahe des Fort de Tournoux haben wir wieder Asphalt unter den Rädern und fahren über den Col de Larche wieder nach Italien. Oben auf dem Pass legen wir in einer kleinen Bar noch ein Päusschen und und müssen dann so langsam eine Tanke suchen. Die finden wir auch, haben dann aber wieder so unseren Kampf mit dem Automaten: unsere Kredit- und EC-Karten will er nicht, mit Barem aber funktioniert es.

Leider hängen die Wolken tief in den Bergen, so dass wir den geplanten Abstecher auf schottrigen Wege hoch zu einem alten Fort kurzfristig aus dem Programm nehmen und gleich ins Hotel fahren. So sind wir schon etwas früher als geplant in Cuneo. Vielleicht gar nicht so verkehrt, wollen wir morgen doch die Ligurische unter die Stollenreifen nehmen. Und das wird sicher anstrengend.

Einmal mitten durch den Berg – in. 2645 Metern Höhe.

Ein hartes Stück Arbeit

Während die beiden „Straßengruppen“ heute auf Nebenstraßen Richtung Turin unterwegs sind – und dabei unter anderem den Stich zum Stausee von Malciauasia unter die Räder nehmen – wollen die Endurofahrer zur Assietta und den Sommeiller hinauf. Doch zunächst müssen wir erst einmal Sprit nachfassen.

Die IP-Tanke ist geschlossen. An der nahegelegenen Tamoil wird noch gewerkelt. „In gut zwei Stunden funktioniere wieder alles, sagt uns der Tankwart; wir sollten hoch Richtung „Tunnel de Frejus“ fahren, da sei offen. Doch irgendwie finden wir die Zufahrt nicht und landen schließlich auf der Autobahn Richtung Turin. Wenigsten die Richtung stimmt.

In Oulx geht’s wieder runter von der Bahn. In der Ortsmitte zeigt das Navi gleich zwei Tankstellen an. Die Esso hat geschlossen, doch bei der Tamoil haben wir gleich dreimal Glück: offen, mit Tankwart und Barzahlung.

Weniger Glück haben wir, den Einstieg zur Assietta zu finden, der von hier aus direkt zum Zwischensattel „Colle Basset“ führen soll. Entweder mündet die Zufahrt in einer gegenläufigen Einbahnstraße oder eine Schranke verhindert die Weiterfahrt.

Da wir heute noch viel vor haben, brechen wir die Suche schließlich ab, fahren auf direktem Weg nach Sestriere und gehen die Sache von hinten an. Der Weg führt dabei an Fenils vorbei – von hier aus ginge es auf einer üblen Piste zu den alten Geschütztürmen am legendären Mont Chaberton. Leider ist die Zufahrt schon seit Jahren gesperrt. So bleibt uns nur ein wehmütiger Blick vom Tal hinauf zum Gipfelfort.

Wenig später ist die Assietta erreicht. Knapp 30 Kilometer Schotter auf durchweg deutlich mehr als 2200 Höhenmetern. Ein Heidenspaß für die ganze Gruppe. Das zeigt auch das nachfolgende Video:

 

Unterwegs legen wir eine kurze Rast ein und machen Picknick. Peter und Harald hatten dafür des morgen reichlich Käse, Wurst und Schinken eingekauft.

Am späten Mittag erreichen wir mit dem Colle delle Finstre das nächste Stück Schotter. Auf unbefestigter Piste fahren wir talwärts. Kaum ist der Asphalt wieder erreicht, schrauben wir uns kehrenreich durch herrliche Kastanienwälder Richtung Susa. In Chiomonte legen wir noch eine Kaffeepause ein.

All das haben wir in einem kleinen Video zusammengefasst:

 

Dann wartet die nächste Herausforderung auf uns: der fast 3000 Meter hoch gelegene Sommeiller – ein echter Kraftakt. Bis zum Rifugio ist alles easy. Dann beginnen die Kehren. Tiefe Auswaschungen und eine Piste, die immer wieder einem Geröllfeld gleicht, fordern unsere gesamt Aufmerksamkeit. Die Motorräder arbeiten unter uns und fahren nicht immer in die Richtung, die wir eigentlich vorgesehen hatten.

Meter um Meter gewinnen wir an Höhe, fahren manchmal fast um Lenkanschlag ums Eck und haben mächtig zu tun. Dann ist das fast auf 3000 Meter gelegene Gipfelplateau erreicht. Ein schneidender Wind pfeift hier oben und der erste Schnee ist zum Greifen nah. Wir genießen die Aussicht auf die umliegenden Berge, deren Konturen, bei klarer Luft, von der Abendsonne regelrecht herausmodeliert werden.

Ein interessanten Einblick in diesen Streckenabschnitt zeigt das nachfolgende Video:

 

Es scheint, dass so mancher die Abfahrt ins Tal ein wenig herauszögern will, schreckt doch der Gedanke an die engen Kehren ein wenig. Doch es läuft viel besser, als von so manchem befürchtet und schneller als gedacht sind wir wieder in Rochemolles.

Fünf Minuten später stehen wir an der Tamoil in Bardonecchia – die mittlerweile wieder funktioniert – und freuen an über unsere „Heldentaten“. Morgen geht’s weiter nach Cuneo, unter anderem über den Parpaillon.

Der erste Schnee auf gut 3000 Metern Höhe. Und das bei strahlendem Sonnenschein.