Mehr Geld für den Straßenbau

Unser letzter Tag im Cinque Terre. Michael und acht Mitstreiter wollen zwei der „fünf Erden“ erwandern, die übrigen fünf werden an den fünf Dörfern „nur“ einen Fotostopp einlegen und ansonsten noch einmal schön Motorrad fahren.


Um 8 Uhr will Guiseppe mit seinem Minivan am Hotel sein und die Wandergruppe nach La Spezia an den Bahnhof fahren. Natürlich kommt er erst um kurz nach acht und entschuldigt sich mit dem vielen Verkehr – der allerdings an jedem Tag rund um Sarzana, unserem Standort, tobt.


Alle Mann einsteigen und schon gehts los. Am Bahnhof steigen alle in den Zug, im nach Monterosso zu fahren, dem erste oder letzten der fünf Dörfer – je nach Sichtweise. Über Vernazza geht es dann zu Fuß bis nach Corniglia und dann mit dem Zug zurück nach La Spezia. Da wartet dann wieder Giseppe mit dem Minivan.

Die Motorradgruppe steuert mit Riomaggiore das entgegengesetzte Ende an, um das erste/letzte der fünf Dörfer im Bild festzuhalten.


Auf dem Weg nach Monterosso legen wir noch den einen oder anderen Fotostopp ein und genießen ansonsten die herrlichen Ausblicke von der hochgelegenen Küstenstraße aufs Meer.


Hinter Levanto schlagen wir uns wieder in die Berge und umfahren Sestri Levante weitläufig. Häufig sind wir auf winzig kleinen Nebenstraßen unterwegs und fahren uns – angesichts der vielen Kurven und Kehren – fast schwindlig. Es geht steil bergauf, dann windet sich die Straße wieder ins Tal – herrlich.

So langsam wäre es an der Zeit für eine kleine Mittagsrast. Da kommt und wie gerufen die Osteria „Il minatore“. Der Name erinnert daran, dass einst in der Region Bergbau betrieben wurde; auch heute noch gibt es hier den einen oder andern Steinbruch.

Die handgeschriebene Karte bietet eine reichhaltige Auswahl an Nudelgerichten, so dass uns die Wahl nicht schwer fällt.


Die nun folgenden 70 Kilometer sind ein Härtetest für Fahrer und Maschine, vor allem aber für die Federung. Ein Schlagloch reiht sich ans andere, Frostaufbrüche, Bodenwellen, fehlender Asphalt und Split in den Kurven – das volle Programm. Aber die Streckenführung, die war vom Feinsten!

Ich mag das ja, so einsam durch die Berge zu rumpeln, vorbei an kleinen Dörfern, in denen das Leben so langsam erlischt. Viel Leerstand, viel Zerfall, fast nur ältere Leute – wer wollte hier auch freiwillig leben. Doch der Charme des Morbiden erschließt sich nicht Jedem. Leise „Unmutsbekundungen“ angesichts des – zugegeben – schlechten Belags werden bei einer kleinen Pause am Straßenrand laut.


„Hier brauchen wir mehr Geld für den Straßenbau“ lautet die Devise, finden sich unterwegs doch immer wieder auch topfebene und frisch asphaltierte Straßenstücke.

In Calice al Cornoviglio finden wir im alten Ortskern sogar eine Bar, die zur lang herbeigesehnten Kaffeepause einlädt. Am Nebentisch spielen Rentner lautstark Karten, ein Bauarbeiter erkundigt sich woher wir kommen und wohin wir wollen. Dass wir aus Deutschland zum Kaffeetrinken in sein Dorf gekommen sind, erfüllt ihn sichtlich mit Stolz. Das sei doch ein weiter Weg meint er.


Wir vertreiben uns ein wenig die Beine und sind gut eine halbe Stunde später im Hotel. Rechtzeitig zum Abendessen trifft auch die Wandergruppe ein, die dank entsprechender App auf dem Handy genau zu berichten weiß, wie viele Schritte sie heute gelaufen sind: 28746!


Ein letztes Mal sitzen wir im Park Hotel zusammen. Morgen heißt es Koffer packen zur letzten Etappe: es geht zurück nach Varese, dem Ausgangspunkt dieser abwechslungsreichen Tour.

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