Ein Tag, um vieles nachzuholen

Oppdal, unterhalb des Dovrefjell, ist das Ziel des heutigen Tages. Stefan startet mit den Motorradfahrern von Molde aus und wird einen Abstecher zur spektakulären Atlantikstraße unternehmen. Die schwingt sich in weiten Bögen direkt an der Küste entlang und lädt zu einem Fotostopp gerade zu ein. Ich werde quer durch Jotunheimen fahren und mich Oppdal von Süden her nähern.

Kurz vor 9 Uhr sitze ich auf dem Motorrad. Heute wird sich zeigen, ob der Fehler wirklich behoben werden konnte. Ein banger Druck auf den Anlasser – sofort erweckt der alte Boxer zum Leben. Aber die Spannung liegt nur knapp über 12 Volt und die Ladekontrolle leuchtet. Ein beherzter Gasstoß – bei ausreichend Drehzahl liegen knapp 14 Volt an, alles in Ordnung.

Ich folge dem Lauf des Lustrafjorden, der sich malerisch zu meiner Rechten erstreckt. Immer wieder entdecke ich nette Foromotive.


Die Sonne scheint und wird hoffentlich bald die dunklen Wolken vertreiben, die sich noch über dem vor mir liegenden Gebirgszug türmen. Als mich die ersten Serpentinen in die Höhe tragen, reißt der Himmel auf. Zwar überwiegt noch immer ein leichtes Grau, doch erste blaue Fetzen sind bereits zu erkennen.

Die Straße 55 führt quer durch Jotunheimen, dem Reich der Riesen. Bis auf über 1400 Meter steigt die schmale Straße an. Hier oben finden sich nichts als Felsen und eine karge Vegetation, der die Kälte nichts anhaben kann. Schneereste finden sich, reißend Bäche und kleine Seen – kurzum: eine malerische Kulisse für alle, die keinen Strand und 30 Grad im Schatten brauchen.

Kurz vor Lom zweigt die Straße zur Juvasshytta ab. Sie führt auf über 1800 Meter, höher geht es motorisiert nirgendwo in Norwegen hinauf. Gut 15 Kilometer lang ist das mautpflichtigen Sträßchen, das spektakuläre Ausblicke und eine atemberaubende Streckenführung aufweist.


Ich gönne mir eine verspätete Kaffeepause und stürze mich wieder ins Tal. Die Route führt mich durch Lom, so dass ich an der berühmten Stabkirche einen Fotostopp einlege.


Dann biege ich ab auf den unbefestigten Sladalsvegen, der mehr als 25 Kilometer durch die Einsamkeit führt. Die dafür fällige Maut wird heute vollelektronisch eingezogen.

Früher stand am Wegesrand ein hölzernes Häuschen mit Schreibpult und Briefkasten. Auf einem Zettel wurden Fahrzeug und Kennzeichen notiert, das Ganze mit der Maut in einem Umschlag in den Briefkasten geworfen. Alles Ehrensache, kontrolliert hat keiner. Heute gibt es eine Schranke, die sich nur öffnet, wenn die Maut automatisch von der Kreditkarte abgebucht wurde. Und damit Niemand betrügt, ist das Ganze natürlich videoüberwacht. Ungeachtet dessen bleibt eine Fahrt über entlegene „Bomveien“ immer ein Erlebnis.

In Dombas lege ich eine verspätete Mittagspause ein und bestellte anstelle der ansonsten üblichen „Polser“ eine 160 Gramm-Burger. Die Kalorien tun Not, denn anschließend geht es über das Dovrefjell.

Hier ist es oft sehr windig und kalt, führt die Straße doch über weite Strecken in Höhenlagen von etwas mehr als 1.000 Meter. „Markenzeichen“ des Nationalparks sind die Moschusochsen, die vor Jahrzenten hier angesiedelt wurden. Ich habe keine gesehen.

Nach 338 Kilometern Fahrt treffe ich gegen 17:30 Uhr im Hotel ein; Stefan kommt mit seiner Gruppe eine halbe Stunde später an – und fährt erst noch pflichtbewusst tanken.

Jetzt eine heiße Dusche und dann lecker zu Abend essen. Morgen werden wir wieder zusammen (los)fahren.

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