Mittagsrast an historische Stätte

Noch einmal wollen wir Motorrad fahren, dann geht auch diese Tour zu Ende. Es geht zurück zum Ausgangshotel in Frankreich, mit einem herausfordernden Abstecher für die Endurofahrer am Lac du Mont Cenis.

Doch erst einmal müsste die KTM wieder anspringen. Nach dem morgendlichen Tankstopp in Bardonecchia dreht zwar der Anlasser durch, der Motor aber springt nicht an. Erst als wir eine Autobatterie zu Hilfe nehmen, brummt der Einzylinder wieder.

Wir fahren Richtung Susa und über ein herrlich schmales und kurvenreiches Nebensträsschen Richtung Lac Cenis. Schon bald zweigt links der Straße der unbefestigte Weg ab, der links um den See führt. Bis zur ersten Hochfläche ist alles ganz einfach. Dann beginnt das Abenteuer.

Wir fahren quasi auf der alten „Straße“. Die wurde so gebaut, dass die Steine nicht waagerecht auf sondern senkrecht in den Boden eingebracht wurden. Und so werden Fahrwerk und Fahrer noch einmal ordentlich gefordert. Meter um Meter plagen wir uns zum Lac de Mont Cenis hinauf.

An einer kleinen Senke halten wir inne. Große Felsbrocken liegen wild durcheinander. Irgendwie muss es da ein Durchkommen geben. Die KTMs stehen schon auf der anderen Seite, nach und nach folgen die 650er Suzi, die beiden großen BMWs, die Supertenerée und die kleine Yamaha. Geschafft.

In weiten Bögen gewinnt die anspruchsvolle Trasse weiter an Höhe und führt an zwei Festungen vorbei – die aber nicht angefahren werden dürfen. Als wir schließlich den Stausee erreichen, ist der Rest nur noch „Kindergarten“. Bald darauf haben wir wieder Asphalt unter den Rädern und machen kurz Pause.

Zum Glück, denn die Yamaha verliert Öl. Bei der Fahrt durch das Geröllfeld hatte der Motorschutz kurz aufgesetzt und hatte dabei wohl eine Steg touchiert, der an der Ölwanne etwa hervorsteht. Ein kleiner Riss war die Folge – und aus dem tropft es nun.

An eine Weiterfahrt zum Hotel ist nicht zu denken, ein Abschleppef muss her, aber natürlich gibt es hier oben in den Bergen keinen Netzempfang. Also fahren wir ganz langsam bis zur Passhöhe, in der Hoffnung, dort wieder telefonieren zu können.

Schnell ist der ADAC informiert, der einen Pannenwagen schickt, um die Yamaha zum Hotel zu fahren. Dort stehen Auto und Anhänger, die Heimfahrt ist also gesichert. Unterdessen sucht Klaus sein Nummerschild, dass bei der letzten wilden Enduropassage wohl einfach abgerissen ist.

Wir nutzen die Zeit für eine kleine Kaffeepause auf der Passhöhe und erhalten eine kostenlose Geschichtsstunde von der Restaurantbesitzerin. Die erzählt uns unter anderem, dass schon Haniball mit seinen Elefanten über diesen Pass gezogen sei, ebenso wie Napoleon. Die Hochzeit königlicher Geschechter sei hier vollzogen worden – und überhaupt sei es doch sehr schade, dass alle heute einfach nur noch über den Cenis fahren und die wenigsten um dessen spannende Geschichte wüssten.

Und während Madame lebhaft erzählt und uns alte Bücher zeigt, fällt ihr Blick auf die zwei Stangen Baguette, die am Gepäckträger einer unserer KTMs klemmen. „Ob wir Picknick machen wollten“ werden wir gefragt – und als wir die Frage bejahen, bedeutet und Madame, das sie nicht dagegen hätte, wenn wir auf ihrer Terrasse essen würden. Danke!

Nach einer ausgiebigen Rast – und nachdem auch das abvibrierte Nummernschild wiedergefunden wurde, erklimmen wir den mehr als 2700 Metef hohen Col de Iseran – eine fantastische Fahrt bei strahlend blauem Himmel und so gut wie keinem Verkehr.

Bei der Zufahrt zum Lac de Roselend geraten wir in einen kräftigen Regenschauer; den ersten seit einer Woche. Noch gut 80 Kilometer sind es noch bis zum Hotel, die wir in einem Stück durchfahren. Kurz vor halb sieben sind wir am Ziel und fahren just in dem Moment auf den Hotelparkplatz, als die lädiere Yamaha vom Abschlepper geladen wird.

Alle sind wohlbehalten angekommen. Jetzt wird verladen und morgen geht’s für die meisten schon wieder nach Hause. Eine schöne und erlebnisreiche Woche geht zu Ende, die auch für die „Straßernfahrer“ mit vielen tollen Eindrücken und herrlichen Passfahrten verbunden war. Bis zum nächsten Mal!

Picknick am Lac du Mont Cenis – Madame sei Dank.

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