Immer hart am Wind

Heute geht es an die Nordsee – und das Wetter ist entsprechend: der Himmel bedeckt, der Wind recht kräftig und zu allem Überfluss fängt es auch noch leicht an zu nieseln, als wir am Morgen aufbrechen.

Lelystadt ist unser erstes Ziel. Von dort führt ein gut 25 Kilometer langer Damm mitten durchs Meer – linker Hand liegt das „Markermeer“, rechter Hand das „Ijsselmeer“. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch starten wir das Abenteuer, wird doch schon auf den ersten hundert Metern vor kräftigen Windböen gewarnt. Und in der Tat werden wir anfangs ordentlich durchgeschüttelt. Doch dann haben wir Glück, nach einem scharfen Linksknick kommt der Wind von hinten und so könnten wir relativ entspannt „übers Wasser fahren“.

Wenn da nur nicht die Lastwagen wären, die uns entgegen kommen. Die schieben eine solche „Druckwelle“ vor sich her, dass es uns jedesmal fast vom Motorrad weht.

Auf der Hälfte der Strecke lädt ein kleiner Parkplatz zu einem kurzen Fotostopp, dann geht es mutig weiter. Die Kaffeepause legen wir – wie geplant – in Onderdik ein, um dann relativ direkt Kurs auf die Nordsee zu nehmen.

Obwohl wir weit im „Landesinneren“ fahren, bläst der aus Süden kommende Wind immer noch heftig; und da wir jetzt von Ost nach West unterwegs sind, kriegen wir so manche ordentliche Böe von der Seite ab. Die Motorräder schlingern regelrecht, oft „segeln“ wir hart am Wind, die eine oder andere Rechtskurve kann nur mit ordentlich Schräglage nach links durchfahren werden. Wirklich Spaß macht das erst einmal nicht, wird aber in den nächsten Jahren sicher zur Legendenbildung beitragen.

Gehen Mittag erreichen wir Bergen aan Zee, hier wollen wir im Strandpavillion – mit Blick auf das tosende Meer – eine Kleinigkeit zu uns nehmen. Windstärke 6 bis 7, in Böen 8, herrschen an der Küste. Der feine Sand am Strand wird vom kräftigen Wind, wie ein feiner Nebel, vor sich her getrieben. Das Wasser peitscht ans Ufer, bedrohlich türmen sich die Schaumkronen auf der ausgewühlten See. Das ist Meer – heute werden die Naturgewalten spürbar und ich finde es herrlich.

Wieder queren wir den nördlichen Zipfel Hollands und fahren nun Richtung Amsterdam. In Waterland wollen wir eigentlich eine Kaffeepause einlegen, doch ein Bierlaster, der sich nur millimeterweise an parkenden Autos vorbeirangiert, blockiert die Zufahrt zur idyllischen Altstadt. Also außen rum und dann auf schmalen Nebenwegen wieder Richtung Küste.

Heute sind wir froh, dass hohe Deiche den Blick aufs Meer versperren. Die bieten ordentlich Windschutz, so dass wir trotz des immer noch heftigen Windes gut vorankommen. Wir streifen die Ausläufer von Amsterdam, doch dann ist ein Abzweig gesperrt und eine neue Straße gebaut, die noch nicht im Navi verzeichnet ist. Jetzt müssen wir wieder nach Schildern fahren …

Es kommt, wie es kommen muss; ein Abzweig zu früh abgebogen und wir geraten auf die Autobahn. Zwei Abfahrten später sind wir wieder „auf Kurs“ und folgen bald darauf der N 701. 25 Kilometer lang fahren wir fast schnurgerade auf einem Deich und haben die ganze Zeit über das Markemeer zu unserer Linken. Glücklicherweise hat der Wind deutlich nachgelassen.

Jetzt muss eine Entscheidung fallen; die Kaffeepause ist längst überfällig. Und weil so langsam auch der Sprit zu Neige geht, nutzen wir den nächsten Tankstopp, um das weitere Vorgehen zu bereden. Gut 50 Kilometer sind es noch bis zum Hotel, in einer Stunde sind wir da – dass heißt, das Kaffeetrinken wird auf 18 Uhr vertagt.

Punkt sechs sind wir wieder im Dorhut mees und sind einhellig der Meinung: das war wieder ein toller Tag. Auch wenn das Fahren bei dem böigen Wind häufig sehr anstrengend war – es hat alles gepasst. Denn die aufgewühlte Nordsee war mehr als beeindruckend. Genau so wollten wir sie erleben.


Flugstunden am IJselmeer. Der Wind hat uns heute ordentlich durchgeschüttelt.

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