Hilfe, wie kommen wir nach Polen?

TOURBERICHT RIESENGEBIRGE
Dienstag, 1. Oktober 2013 | 4. Tag

Die Sonne scheint am strahlend blauen Himmel, als wir des morgens zur nächsten Tagesetappe aufbrechen. An die Temperaturen nahe des Gefrierpunktes haben wir uns zwischenzeitlich gewöhnt. So mancher trägt mittlerweile zwei lange Unterhosen übereinander und alles an Pullovern, was noch unter die Jacke passt, ohne die Bewegungsfreiheit allzusehr einzuschränken.

Ja, es ist stellenweise bitterkalt. Und doch würde keiner diese Tour missen wollen. Die bunten Blätter an den Bäumen, die klare Luft, die unglaubliche Fernsicht in einer immer wieder aufs neue faszinierenden Landschaft – das alles hat schon was.

Auch heute wollen wir wieder über weite Strecken dem Grenzverlauf zwischen Tschechien und Polen folgen – wenn wir denn über die Grenze kämen …

Zunächst geht es ins Adlergebirge. Dort finden sich imposante Felsformationen, wie die auch in dem uns bekannten Elbsandsteingebirge vorkommen. Für eine Besichtigung hätten wir zwar Zeit, doch weil wir gerade erst gut 20 Minuten unterwegs sind, wollen wir lieber noch ein bisschen fahren. So haben wir einen Grund zum wiederkommen.

Wir nehmen Kurs auf Hrbitov Machov. Da wollen wir die Grenze nach Polen passieren. Dass am Ortseingang ein Sackgassenschild steht, mutet zwar ein wenig merkwürdig an, doch (noch) denken wir uns nichts dabei.

Nach gut einem Kilometer Fahrt ist erst einmal Schluss. Der alte Schlagbaum ist noch zu erkennen, auch die Grenzschilder stehen. Doch auf der polnischen Seite geht es nur unbefestigt weiter. Also wird erst einmal die Lage sondiert.

Während die Gruppe wartet, schaue ich mal, ob der holprige Pfad, der nach Polen führt, für alle passierbar sein dürfte. Schließlich ist die Weiterfahrt nicht ausdrücklich verboten. Es geht ein Stück in den Wald hinein. Dann tauchen links und rechts des Weges Schilder auf, die auf einen militärischen Sperrbereich hinweisen. Kurz darauf stehen auf einem Parkplatz erste Armeefahrzeuge. Als dann in 400 Metern die Durchfahrt verboten wird, drehe ich um. Wahrscheinlich würden wir erheblichen Ärger kriegen, wenn wir weiterfahren und erwischt würden.

Während wir kurz darauf, wieder an der Grenze stehend, in Landkarte und Garmin nach einer Alternative suchen, treffen nacheinander auch Stefan und Dieter mit ihren Gruppen ein. Es hilft alles nichts, wir müssen zurück. Nicht weit entfernt liegt Mala Cemna. Auf der Zufahrt steht ebenfalls ein „Sackgassen-Schild“. Doch gemäß der Devise „erst mal schauen“, lassen wir uns davon nicht beirren und versuchen hier unser Glück.

Tatsächlich gibt es einen kurzen Verbindungsweg zwischen beiden Ländern. Der darf zwar von motorisierten Fahrzeugen eigentlich nicht benutzt werden, aber wenn wir unsere Motorräder schieben würden …

Kurz darauf sind wir in Polen – endlich! Eigentlich wäre es Zeit für eine Kaffeepause und in Kudowa-Zdroi laden zahlreiche reizvolle Gaststätten zu einem kurzen Stopp. Doch weil wir gerade erst gestanden haben, wollen wir weiter.

Kurvenreich schlängelt sich die Straße 387 das Isergebirge hinauf. Wenige Kilometer hinter Dusznik-Zdroj setzen wir den Blinker links und folgen über viele, viele Kilometer dem Grenzverlauf zwischen Polen und Tschechien, der durch einen mäandernden Bach markiert wird.

Zwischenzeitlich sind wir wieder „in den Bergen“ und bewegen uns auf gut 800 Metern Höhe. Der Wind pfeift ordentlich und so ist die aufgeschobene Kaffeepause, die wir dann in Zieleniec einlegen, mehr als willkommen.

Das volle Kontrastprogramm dann zur Mittagszeit in Jablonne Nad Orlici: Da finden wir direkt am Marktplatz das Hotel/Restaurant „Zum Schwarzen Bären“ und genießen unser Essen bei strahlendem Sonnenschein. Es ist so warm, dass wir gleich zwei Pullover ausziehen müssen.

Das Altvatergebirge „durchpflügen“ wir am späten Nachmittag in allen Richtungen, um dann schlußendlich doch auf die Straße 44 zu treffen. Die führt in vielen Kehren noch einmal hoch auf über 1000 Meter. Doch leider war vor uns der Straßenbau aktiv und hat vermutlich Schlaglöcher ausgebessert, von denen es offensichtlich viele gab: die gesamte Südrampe ist mit Split und frischem Bitumen überzogen, so dass wir nur ganz langsam vorwärts kommen – schade.

Morgen haben wir einen Tag Aufenthalt und wollen in den Südosten fahren. Dort gibt es einen großen Stausee. Der ist unser Ziel. Auf die kurvenreiche Strecke dorthin freuen wir uns schon heute.

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Direkt an der Grenze. Der Weg vor uns führt in ein militärisches Sperrgebiet. Also drehen wir um und suchen einen anderen Übergang nach Polen.

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