Ungeahnte Wolkenbrüche

TOURBERICHT SARDINIEN
Freitag, 14. Mai 2010 | 8. Tag

Das Festland hat uns wieder. Es ist kurz nach acht, als wir in „Livorno“ von der Fähre fahren. Treffpunkt für alle ist der erste Kreisel im Hafen, da wir auf unterschiedlichen Decks stehen und nicht alle über die gleiche Ladeklappe das Schiff verlassen. Der Himmel ist trüb und wolkenverhangen – auf Sardinien war das Wetter deutlich besser.

Ich will noch schnell die Karten vom „Chinque Terre“ holen, die ich in Fonni in eine meiner Taschen gesteckt hatte. Diese sollten eigentlich im Begleitbus sein – sind sie aber nicht. „Unser Lademeister“ hat mein Gepäck – aufgrund eines Mißverständnisses – in Fonni im Hotel stehen lassen. Nun war guter Rat teuer.

Ein Anruf im Hotel stellt zumindest klar: die Koffer sind noch da (und damit hoffentlich auch alle Wertgegenstände, die darin verstaut waren). Für die nächsten beiden Tage habe ich Wäsche in einer Tasche am Motorrad, so dass auch das kein Problem ist. Fahren werde ich erstmal nur nach Navi, der Rest wird sich finden.

Es beginnt zu regnen. Zunächst ganz leicht, dann immer stärker. Immer wieder ergießen sich wahre Wolkenbrüche über uns. Für einen Espresso und ein Schokohörnchen hatte die Zeit auf dem Schiff noch gereicht; jetzt wäre ein richtiges Frühstück gut, denke ich mir, während das Wasser zentimeterhoch auf der Straße steht. Nahe Viareggio entdecke ich den Wegpunkt, den ich an der Strandbar gesetzt hatte, in der wir auf der Hinfahrt zum Hafen noch ein Eis gegessen hatten. Da fahren wir hin und warten erst mal, bis sich der Regen gelegt hat.

Drei Cappucinos und zwei süße Stückchen später wollen wir es wagen. Es klart auf. Wir beschließen, erst einmal direkt ins Hotel zu fahren und am Nachmittag vielleicht noch eine kleine Runde zu drehen, sollte die Sonne doch noch mal scheinen. Irgendwie muss der Tag ja ein Ziel haben, oder?

90 Kilometer Wegstrecke zeigt das Navi an. Dann hätten wir aber Autobahn fahren müssen. Ein Ticket mit nassen Handschuhen ziehen, dies irgendwo trocken verstauen, sich von den Gischtfontänen der Laster nassspritzen zu lassen, wieder an der Mautstation stehen – keine gute Idee, denke ich mir, und bleibe auf der „via romana“, die als SS1 bezeichnet wird.

Der Regen wird wieder heftiger, von der Straße ist manchmal kaum noch was zu erkennen und als wir uns durch „La Spezia“ kämpfen, könnte man den Eindruck haben, über uns werden permanent riesige Wassereimer ausgeleert. Gut, wer jetzt eine gute Regenkombi anhat, zeigt bei vielen Teilnehmern nun doch auch die teure Gore-Kombi deutliche Schwächen.

In Höhe „Vernazza“ reißt der Himmel auf und die Sonne scheint. Schlagartig ist die Straße trocken. Eigentlich könnte man nun einen schönen Abstecher ins Cinque Terre unternehmen. Die kurvenreiche Küstenstraße bietet ungeahnten Fahrspaß – aber nicht, wenn das Wasser in Stiefel und Hose steht, denke ich mir. Also erst mal ins Hotel.

Nach dem Duschen hängen über allen Balkonen Hosen und Jacken zum trocknen. Ein lustiges Bild. Die ersten finden sich auf der Terrasse ein. Es wird Kaffee bestellt, der erste Martini und dann ein kühles Bier. Damit ist klar: wir werden heute nicht mehr Motorrad fahren sondern ein wenig in der Sonne relaxen. Auch die Vielfahrer in Georgs Gruppe macht einen auf Entspannung. Nur Dieter fährt die volle Tour. Er hat die heftigsten Regenschauer in einer Bar ausgesessen und den Nachmittag zu einer kurvenreichen Tour am Meer genutzt. Die strahlenden Gesichter der Teilnehmer zeigen, dass das eine gute Entscheidung war.

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